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US - Auswahl

Fußball hat in den USA nicht den Stellenwert wie in Europa. Doch die Bemühungen sind derart groß, dass sich vieles positiv entwickelte in den vergangenen Jahren. Das Niveau steigt - den Beweis brachte das US-Team, das vor zwei Jahren beim Hördener Turnier hervorragenden Fußball bot. Die Vereinigten Staaten von Amerika verfügen über eine riesige Fläche, daher wurden vier Regionalwahlen gebildet, in denen man die Talente immer wieder zusammenzieht, sie konsequent ausbildet und fördert.
Eine dieser Regionalauswahlen tritt beim FVH an. Dass die Toppspieler aus USA im Murgtal ihr Können demonstrieren, ist vor allem Bernd Wulffen zu verdanken. Der Deutsche, der seit vielen Jahren an der Ostküste Amerikas in Virginia lebt, knüpfte die Kontakte und begleitet die US-Boys auch bei ihrem Europa-Tripp.
"Der Trainer des Auswahlteams, Manni Schellscheid, ist ein Freund von mir - und auch Deutscher!" Schellscheid verfügt in den USA im Fußball über einen hervorragenden Ruf. Der 57-Jährige ist ein angesehener, mächtiger Mann in der Szene. Er war Nationaltrainer des A-Teams, coachte die US-Olympiaauswahl - und hat die Trainer-A-Lizenz mit der Nummer 001. Er legte als erster die Prüfung in den USA ab - beim legendären deutschen Trainerausbilder Dettmar Cramer.
Das Ziel des US-Teams ist, ähnlich aufzutrumpfen wie beim Turnier Nummer fünf. "Damals gewannen die Jungs gegen den späteren Turniersieger Kaiserslautern und landeten auf dem dritten Platz," erinnert sich Wulffen. Die Elf ist gespickt mit Stars, die auch Stammspieler bei der U18 Nationalelf sind. Akteure wie Cameron Knox, Devlin Brian, Dinall Kirk, Hartmann Jone, Wesley Kirk oder auch Tuman Jeffrey werden bestimmt die Fans in ihren Bann ziehen.
Beim vergangenen Turnier waren es auch zwei US-Boys, die oft Applaus erhielten, Ryan Kelly und Carlo Espinosa. Kelly hatte prompt Offerten von deutschen Proficlubs - aber seine Eltern wollten dies nicht, zogen eine Collegeausbildung vor. Undenkbar für deutsche Verhältnisse - aber wie gesagt: Der Stellenwert des Fußballs in den USA ist anders...
Espinosa landete über Umwege beim KSC - findet dort aber im Moment leider nur im Oberligateam Berücksichtigung. "In den USA müssen die Eltern sogar für gutes Training bezahlen. Ein Coach kostet die Eltern pro Saison knapp 400 Dollar. Auch für die Turnierteilnahmen, die Trikots usw. müssen die Eltern aufkommen. 1000 Dollar pro Saison sind eine gängige Belastung," erzählt Wulffen. Aber vielleicht sind die jungen Spieler gerade deshalb so ehrgeizig.
"Es wird an keinen der Jungs auch nur ein Pfennig bezahlt, aber alle arbeiten konzentriert mit. Leider nur in den Auswahlteams. Das ist das große Manko, denn wenn die Spieler zu ihren Vereinen, das sind meist Collegeteams, zurückkommen wird gerade zwei mal pro Woche trainiert. Das ist viel zu wenig, da kann man sich kaum weiterentwickeln, Stagnation ist leider normal."
Doch die US-Boys wissen: Eine Turnierteilnahme in Europa ist für sie wie ein Schaulaufen. Sie stehen bei jedem Spiel im Schaufenster und damit im Visier der Spielerbeobachter, die schon seit Jahren Stammgäste im Stadion "auf der Essel" sind. "Es ist eine Chance, den Traum zu verwirklichen, und der heißt für fast alle: Ein Engagement in Europa!"